Die alte Dame am Fenster

Ich bin durch meine Arbeit viel herum gekommen,

hab dadurch viele Menschen, Stadt und Land gesehen,

doch hin und wieder da erlebt man solch' Geschichten,

die werden immer im Gedächtnis überstehen.

 

Vor ein paar Jahren bin in Bayern ich gewesen

und habe Mehrfamilienhäuser mit saniert,

geschah so kurz bevor das End' des Sommers kam,

da habe schnell mir diese Story ich notiert.

 

In einer Wohnung lebte eine alte Dame,

sie wohnte allem Anschein ewig schon allein,

Sie wirkte auf den ersten Blick zwar schwach, gebrechlich,

doch schien mental im vollem Geistzustand zu sein.

 

Die ganzen Wohnerneuerungen fanden statt,

obwohl die Leut' in ihren Wohnungen verblieben

und da es etwas kompliziert und mühsam war,

da half der Dame ich beim schweren Möbelschieben.

 

So kam es dazu, sie begann mit mir zu sprechen,

sie sprach von ihrem Leben, Eltern, Kindern, Lieben,

sie alle hätte Gott bereits zu sich geholt,

sie wär' als einz'ge hier auf Erden noch verblieben.

 

Sie setzte seufzend sich vors große Küchenfenster,

und sah ganz aufmerksam die Welt vorüberziehen,

mit Tränen in den Augen, leise, sagte sie,

ihr Mann, der wär' als letzter sanft im Schlaf verschieden.

 

Sie sehnte sich so sehr nach ihrem zweiten Herz

und hoffte, dass der liebe Gott sie bald erhöre,

denn nach dem Tode wär'n sie endlich wieder eins,

weil ewig doch an seine Seite sie gehöre.

 

So saß sie jeden Tag an ihrem Küchenfenster,

bei Sonnenschein und Nebel oder Schnee und Blitzen

und wenn ich heute meine Augen fest verschließe,

dann seh' ich sie manchmal am großen Fenster sitzen.

 

© Dark Xperience

 

Jeder will besonders alt werden, aber ist das eher Segen oder doch ein Fluch?

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