Die Reise mit dem Wind

Ich stieß das Fenster meiner Welt,

so wie an jedem Sonntagmorgen,

versunken tief in meinem Selbst,

erdrückt von schwarzen Alltagssorgen

und ließ den Sommerwind hinein,

von Müdigkeit noch schwer betrunken,

der Wind, er floss durch Mark und Bein,

den Geist von außen zu erkunden.

 

Der Wind, der wehte, ließ mich wanken

und sprach dann flüsternd mir ins Ohr:

"Ich setz' mich heut' in deinen Geist,

denn habe etwas mit dir vor."

Gesagt, getan, er nahm mich mit,

die Tasse lag zerschellt am Boden,

ich wusste nicht, wie mir geschah

erblickte jäh die Welt von oben.

 

Nur dumm, ich schlief, wie Gott mich schuf,

entließ deswegen einen Schrei,

ich wollt' die Blöße schnell bedecken,

vom Wind gefang'n, doch war ich frei.

Die Sorgen konnten uns nicht folgen,

mein Herz schlug leicht in meiner Brust,

berauscht und voller Endorphin,

ein Glückshormonenüberschuss.

 

Ich fragte zag: "Wo geh'n wir hin?"

er schloss den Atem fest um mich,

verhüllt mit Nichts, da dacht' ich mir:

"Ich hoffe, du verlässt mich nicht.

Ich habe nämlich Angst vorm Tod,

doch auch vorm Fallen und Zerschellen,

wenn ich nur daran denken muss,

zerbricht mein Selbst wie Meereswellen.“

 

Als hätt' er meine Angst gespürt,

da fiel'n wir Richtung Erdenball,

die Sicht verschwomm, ich drehte mich,

mein Schrei verschluckt im Überschall.

Und schneller fiel ich Richtung Boden,

bekam Gedanken kaum zu fassen:

"Ich werde sterben, schöne Welt,

und muss dich leider heut' verlassen!"

 

Ich schloss die Augen, ängstlich wartend,

auf meinen Tod, Schluss, aus, Geschichte,

doch eh der harte Aufprall kam,

da ging's zurück zur Waagerechte.

ich riss die Augen wieder auf,

ich wollte seh'n, was jetzt geschieht

und konnt' nicht fassen, kaum es glauben,

wie schnell die Welt vorüber zieht.

 

Da war ein Meer, ein Farbenrausch,

es lag uns ausgestreckt zu Füßen,

mit Bäumen, Wiesen, Blumen, Büschen,

die uns mit ihren Farben grüßten.

Ich wollt' mich grade wieder freuen,

als diese Szene jäh verschwand,

die schönen Farben wurden blass,

das Land im grauen Meer versank.

 

Die Welt, die farbenfroh erstrahlte,

gefror zu Eis, das schließlich bricht

und meine Seele schrie und brach,

verlor'n im Land der Finsternis.

Und Tränen flossen voller Trauer,

so kalt und starr wie jenes Eis,

sie fielen auf das weite Land,

und machten es zum Geisterreich.

 

Die Wut gedieh, vor Zorn ganz rot,

ich schrie dem Wind ins Angesicht:

"Oh, warum zeigt du wie ich fühle?

Du denkst wohl auch, ich wüsst' das nicht?"

Mir war es gleich, ob er mich hörte,

er würd' die Worte schon verstehen,

so ließ ich alles aus mir raus,

die Wut, die Angst, die kalten Tränen.

 

Doch ließ er meine Fragen stehen

und drückte mich an seinen Leib,

und sprach an Stelle einer Antwort:

"Verfolg' doch mal den Lauf der Zeit."

Ich sah herab, wo meine Tränen

wie Schnee die Landschaft kalt bedeckten

und sah wie dieser Schnee zerschmolz'

und Blumen ihre Knospen reckten.

 

Ich sprach kein Wort, verstand und nickte

und schluckte meine Wut herunter,

als ob ein Wunder hier geschah,

die Welt erblühte, wurde bunter.

Nun endlich hatte ich begriffen,

bereute meine Wut an ihm,

doch freundlich sah er mich nur an

und sprach, mir wär' schon längst verzieh'n.

 

Noch einmal drehte sich die Welt,

ich war zurück in meinem Haus

und stand noch immer fasernackt

am Fenster, schaute träumend raus.

Ich sah den Wind, der draußen spielte

durch Baum und Blätter ganz hinauf,

ein Lächeln gab zum Abschied er,

ich hob die Scherben lächelnd auf.

 

© Dark Xperience

 

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