Unauffällig

Über Nacht bin Ich Erbe geworden

Denn mein Großvater ist verstorben

 

Darum fahr Ich für ein paar Tage

Zu seinem Haus in der Wohnanlage

 

Es empfängt mich das altes Gemäuer

Doch das war mir noch nie geheuer

 

Das morsche Holz riecht schwer

Es ist still und menschenleer

 

Doch Ich wandle wie immer

Durch all die Flure und Zimmer

 

Als Kind hatte Ich hier Angst allein

Und fing auch mal an zu schreien

 

Doch ist es nicht mehr so schlimm

Weil Ich schon lang erwachsen bin

 

Es knarxt die Treppe aus Eichenholz

Großvaters selbst gezimmerter Stolz

 

Der alte Dachboden ist mein Ziel

Alte Kartons stehen dort sehr viel

 

Früher durfte Ich das nur in Begleitung

Heute gibt's keine "Regeln" Unterhaltung

 

Die Neugier hat mich her getrieben

Ich will wissen, was übrig ist geblieben

 

Spinnweben hängen von der Decke

Hunderte Kisten von Ecke zu Ecke

 

Stöbere hier und schaue dort hinein

Der Staub verwirbelt im Sonnenschein

 

Mein Blick fällt auf ein altes Buch

Ist verrutscht das schützend' Tuch

 

Unauffällig liegt es jetzt im Staub

Der Einband mit der Zeit ergraut

 

Ich entferne die Spinnenfäden

Die trocken am Buche kleben

 

Atme aus, doch zuerst kräftig ein

Um es vom Staube zu befrei'n

 

Halt es vorsichtig zwischen den Händen

Kann weder Titel, noch Autor erkenn'

 

Es wirkt uninteressant, nichtssagend

Will es mir aus den Händen schlagen

 

Doch eine innere Stimme spricht

Mach so einfach Du es Dir nicht

 

Nur anhand eines Einbandes urteilen

Ohne zu kennen ein paar der Zeilen ?

 

Ich grüble kurz, geb mir dann recht

Äußerlichkeiten allein sind schlecht

 

Ich schlage es auf, beginne zu lesen

Versinke mit meinem ganzen Wesen

 

Hab das Buch für gut befunden

Bin gefesselt für ein paar Stunden

 

Wär die Stimme nicht gewesen

Hätte Ich es wohl nie gelesen

 

Und die Moral von der Geschicht'

Urteile nach Äußerlichkeiten nicht

 

© Dark Xperience


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