Versteinert

Wo fange Ich jetzt an zu erzählen ?

Wie kann Ich es nun beschreiben ?

Nicht jeder kann selbst frei wählen

Und muss unter dem Schicksal leiden

 

Dies ist die Geschichte eines Mannes

Dessen Herz wurde langsam zu Stein

Nennen wir ihn doch einfach Johannes

Er war nicht groß und auch nicht klein

 

Johannes war ständig darum bemüht

Freundlich, nett und hilfsbereit zu sein

Er kam nie zu spät und auch nie verfrüht

Und sein Lächeln schien ins Herz hinein

 

Er war weder dünn, noch war er dick

War auch weder dumm, noch intelligent

Er war nicht normal, doch nicht verrückt

Kurz, ein Mann, wie ihn wohl jeder kennt

 

Er war nicht gläubig, doch glaubte ans Gute

Und wenn alle Menschen miteinander reden

Und verstünden, dass rot wäre ihr aller Blute

So könnten alle in Frieden zusammen leben

 

Er war beliebt in der ganzen Nachbarschaft

Denn man konnte sich immer auf ihn verlassen

Er war ein Mensch der Liebe und Leidenschaft

Und es war nicht möglich, ihn wirklich zu hassen

 

Johannes half überall dort, wo er konnte

Es machte ihm Spaß unter Menschen zu sein

Und als ob man sich in seiner Nähe sonnte

Schien die Sonne aus seinem Herzen zu schein'

 

Ja, Johannes besaß einst ein goldenes Herz

Doch dass ist jetzt schon sehr lange her

Das Schicksal überhäufte ihn mit Schmerz

Und sein Herz wurde steinig und schwer

 

Alles begann, als seine Mutter verstarb

Und auch sein Vater kurz darauf verschied'

Fassungslos stand er ihrer beiden Grab

Konnte nicht glauben, dass das geschieht

 

Nein, die Beide waren noch nicht so alt

Wie man jetzt vielleicht glauben könnte

Beide starben durch blanke Waffengewalt

Im Urlaub, den er zum Jahrestag schenkte

 

Der Gedanke, dass dies seine Schuld wär'

Wollt' ihm nicht mehr aus dem Schädel gehen

Und dieser Gedanke quälte ihn so sehr

Dass sein Herz ertrank in schwarzen Tränen

 

Doch das Schicksal ist manchmal grausam

Und bestraft auch die, die schon bestraft sind

Seine kleine Schwester brach einfach zusammen

Und seine Frau verlor das ungeborene Kind

 

Schnell ging es in Krankenhausrichtung

Doch für beide kam jede Hilfe zu spät

Tod durch eine Lebensmittelvergiftung

War, was später im Autopsiebericht steht

 

Seine Frau hat es zum Glück überstanden

Doch kann ihn das nicht wirklich erfreuen

Denn die Bakterien, die die Ärzte fanden

Waren ganz eindeutig Fisch-Salmonellen

 

Und Johannes war derjenige, der den Fisch

Zubereitet hatte, doch selbst nichts davon aß

Er war schuld, dass der Tod kam auf den Tisch,

War der Gedanke, der sich durch sein Hirn fraß

 

Und wieder ertrank Johannes in Tränen

Die so schwarz waren wie seine Schuld

Ohne ihn wären sie noch alle am Leben

Dieser Gedanke sich in sein Bewusstsein grub

 

Und während sein Herz immer tiefer fällt

Stirbt der Glaube, der noch in ihm steckt

Er schottete sich ab von dieser Welt

Wurde immer seltener draußen entdeckt

 

Die ganzen Nachbarn und Freunde kamen

Um ihm in dieser schweren Zeit beizusteh'n

Doch egal, was sie auch alles unternahmen

Er wollte keinen einz'gen Menschen mehr seh'n

 

Und immer weiter brach seine Welt entzwei

Und auch seine Frau war am Ende ihrer Kraft

Sie konnte nicht mehr und er ließ sie frei

Bevor seine Nähe auch sie dahin rafft

 

Er kümmerte sich nicht um seine Arbeit

Versank immer tiefer in der Depression

Rasend schnell, doch still stand seine Zeit

Und stetig wuchs seine innere Frustration

 

Auch Familie, Freunde und Bekannte

Wussten nicht mehr, wie sie helfen könnten

Denn der Mann, den man von früher kannte

Wollte sich selbst in Verzweiflung ertränken

 

Im Meer der schwarzen Tränen hab Ich

Johannes vor kurzem wieder gesehen

Dort wo früher schien sein inneres Licht

Schien nur noch tiefste Nacht zu bestehen

 

Ich wollte ihn ganz freundlich grüßen

Doch sein vor Wut verbrannter Blick

Sagte mir kalt, ich würde es büßen

Und Ich zog meine Hand wieder zurück

 

Sehr viel später kam mir noch zu Ohren

Wie es mit Johannes zu Ende gegangen wäre

Er sei allein in seiner Wohnung verstorben

An dem Schmerz und der inneren Leere

 

© Dark Xperience


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