Zu viele Stimmen

Wie viele Wochen sind bereits vergangen, seit dem ich mich auf dem Weg gemacht habe? Ich weiß es nicht mehr. Die Tage verschwimmen ineinander und ziehen rastlos an mir vorbei, während in den Nächten die Sterne lautlos ihre Bahnen in meinen Träumen ziehen. An manchen Tagen scheint es, als könnte ich fliegen, während ich mich an anderen nur mühsam auf allen Vieren fortbewegen kann. Es ist wie es eben ist und trotzdem ist jeder Schritt ein Geschenk, ein Zeichen, dass ich noch am Leben bin.


Wo liegt das Ziel meiner Reise? In mir selbst? In der Ferne? Am Anfang oder am Ende? Werde ich überhaupt jemals dort angelangen? Ich weiß es nicht. Woher sollte ich es auch wissen. Ich weiß es genauso wenig, wie die Stimmen, die mich begleiten.

 

"Es ist sinnlos!" sagt der Zweifel.

 

"Vielleicht gibt es auch gar keinen Sinn!" fragt sich die Angst.

 

"Du bist nicht gut genug!" fügt die Paranoia noch schnell hinzu.

 

"Du musst noch viel besser werden." gibt der Perfektionismus seinen Senf dazu.

 

"Wir hätten doch schon lange ankommen müssen", heult sich die Verzweiflung die Augen aus.

 

Und Auch die Traurigkeit mischt sich ein: "Was, wenn wir es niemals schaffen werden?"

 

Ja, selbst die Langeweile meldet sich zu Wort: "Hat doch eh alles keinen Zweck. Lass uns nach Hause gehen."

 

Und nacheinander stürzen sie sich auf mich, zerren an mir, wollen mich zu Boden reißen. Sie wollen, dass ich aufgebe, obwohl ich schon so weit gekommen bin. Sie krallen sich an meinem Herzen fest und verpassen mir einen verbalen Tiefschlag nach dem anderem, bis mir zu guter letzt mein eigenes Selbstbewusstsein ins Gesicht tritt: "Du bist doch eh nur ein kleiner unbedeutender Versager und ganz gleich, was du auch versuchst, du kannst nur scheitern!"

 

Trotzig schüttle ich sie einem nach dem Anderen ab. "Wisst ihr was?" entgegne ich mit einem Grinsen und wische mir das Blut von den Lippen: "Ihr könnt mich alle mal. Lasst euch ruhig verbiegen und passt euch an, um auch ja allem und jedem zu gefallen. Klammert euch ruhig an jede Regel, die ihr findet könnt. Klammert euch an sie, wie an einen Strohhalm, damit ihr bloß nicht in der Tiefe versinkt. Ich hingegen, ich gehe meinen Weg allein und versuche schwimmen zu lernen." Ich wende mich von ihnen ab, setze meine Kopfhörer auf und laufe weiter dem Horizont entgegen...

 

© Dark Xperience


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