Florian C. Booktian - Auseinandergelebt

Technische Gestaltung

Ich erhielt zwei nichtssagende braune Umschläge und nach einer kurzen Online-Umfrage sollte es Umschlag Nummer zwei werden. Ich öffnete das Papier und zum Vorschein kam "Auseinandergelebt" von Florian C. Booktian. Ein nachdenkliches und leicht deprimiert wirkendes Gesicht im Seitenprofil, eingefärbt in Blau- und Grüntönen, zierte den schlichten weißen Hintergrund. Was mir sofort auffiel, war die Tatsache, dass das Buch in der Mitte gespalten schien, was wohl am Produktionsverfahren liegt. (Veröffentlicht wurde das Buch über Amazon CreateSpace,) Dennoch lag es gut in der Hand und lies sich gut lesen. Einziger Wermutstropfen blieb das Softcover, das meiner Meinung nach zu dünn ausgefallen ist und von daher viel zu schnell einknickte und selbst bei einmaligem Lesen sichtbare Gebrauchsspuren hinterließ.

 

Kurzbeschreibung

Was würde mich also erwarten? Ich drehte das Buch um und besah mir den Klappentext, den ich an dieser Stelle wiedergeben möchte: "Leon hatte eine harte Nacht. Er wurde bedroht, bestohlen und wäre beinahe verbrannt. Im Morgengrauen kommt er nach Hause und sieht sich mit seiner Freundin Carina konfrontiert. Ihre Beziehung steht kurz vor dem Aus. Leon unternimmt alles mögliche, um sie zurückzugewinnen, und geht dabei so manches verrückte Wagnis ein. Dabei muss er viel mehrüberwinden als seine eigene Unfähigkeit, wenn es ums Zuhören geht. Die Konsequenzen der letzten Jahre brechen mit Gewalt über das Paar herein. Dazu kommen Leons frisch aus dem Gefängnis entlassener Freund Otis und Carinas impulsive Schwester Bea, die sich als Trickbetrügerin einige Feinde gemacht hat. - Ein Booktian-Roman – lustig, unterhaltsam und ein bisschen schrullig." …und mein erster Gedanke war, dass mir ein Beziehungsdrama mit Krimi-Elementen bevorsteht.

 

Inhalt

Doch es sollte anders kommen. Hineingeworfen in die Geschichte, brauchte ich eine Weile, um zu begreifen, wer und wo ich bin. Man lernt drei der Hauptprotagonisten kennen, die mehr oder weniger gerade die Schule beendet haben und vor den Weichen ihren Lebens stehen. Zum einen hätten wir da Leon, einen chaotischen, jungen Mann, dessen Kopf ständig in den Wolken hängt und der unsicher darüber ist, was er mit seinem Leben anstellen möchte; Otis, seinen besten Freund und Kleinkriminellen, der vom schnellen und einfachen Geld träumt und Carina, die feste Freundin Leons, die immer weiß, was zu tun ist und ganz offensichtlich die Anführerin der kleinen Gruppe ist. Ach ja, und dann wäre da noch seine Mutter, die sich aufopferungsvoll um ihn kümmert.

 

Doch dann kommt erstmal alles anders und Leon fällt, nachdem ihm sein Kumpel Otis aus Versehen einen Fußball ins Gesicht geschossen hat, in die Bewusstlosigkeit und kommt erst im Krankenhaus wieder zu sich. Dort wird ihm mitgeteilt, dass bei ihm ein genetischer Defekt vorläge, der zu einem akuten Nierenversagen und einer daraus resultierenden Blutvergiftung geführt hätte. Seine Mutter bietet sich an, ihm eine ihre Nieren zu geben, doch bei der Operation kommt es zu einem folgenschweren Fehler, den sie nicht überleben soll. So verläuft die Einleitung der Geschichte sehr dramatisch und man trauert mit dem jungen Mann mit, der versucht das Beste aus seiner Situation zu machen. Er will sich eine Ausbildungsstelle suchen, doch sein erstes Vorstellungsgespräch geht so dermaßen in die Hose, dass er sich daraufhin lieber seinem Kumpel Otis anschließt.

 

10 Jahre später ist nichts so, wie es sich einer der Beteiligten vorgestellt hatte. Otis sitzt wegen Schwarzbrennerei im Knast, Carina hat die Bar ihres Vaters übernommen und verkauft dort den Schnaps, den ihr Freund Leon in ihrem gemeinsamen Badezimmer illegal herstellt, während dieser weiteren illegalen Aktivitäten nachgeht, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Eine alles in allem recht betrübte Stimmung und ein betrübter junger Mann, der den Tod seiner Mutter scheinbar noch immer nicht verkraftet hat. Nach einer anstrengenden Nacht, in der er dem Tode gerade so noch von der Schippe gesprungen ist, kehrt er heim und sieht sich mit seiner Freundin konfrontiert, die ihm mit Trennung und Rauswurf droht, wenn er sich nicht endlich zusammenreißt und für sich, ihr Leben und ihre Liebe kämpft. Endlich macht es Klick und zum ersten Mal seit langem bemüht Leon sich um das, was ihm lieb und teuer ist. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse und eine abstruse Handlung nimmt ihren Lauf, in der sich zwei skrupellose Gangster ihren mit Leichen gepflasterten Weg durch die verschlafene Kleinstadt bahnen, um eine leblose Carina zu finden, die wiederum von Leon und seinem Kumpel Otis durch die Stadt transportiert wird, während ihre verrückte, kleine Schwester ihnen hinterherjagt. Und selbstverständlich ist auch die Polizei mit von der Partie…

 

Negative Aspekte

Was mir anfangs öfters passiert ist, ich bin beim Lesen gestolpert. Kleinere Logiklücken, die zu Sprüngen in meinem Kopf geführt hatten, wenn z.B. Leon & seine Mutter in ihren Krankenhaus-betten gelegen haben und er sie im nächsten Augenblick umarmt hat. Oder als Otis sich mit der schrulligen Nachbarin unterhalten hat und plötzlich Leon seine Arme verschränkte. Aber diese winzigen Fehler hielten sich glücklicherweise ebenso in Grenzen, wie geschichtliche Wiederholungen. (Wenn beispielsweise nochmal erklärt, was eine Seite zuvor passiert ist.)

 

Hin und wieder musste ich zurück blättern, um mich davon zu überzeugen, dass die Geschichte auch wirklich in Deutschland spielt, weil sie plötzlich völlig überdrehte und man eher das Gefühl hatte, in den endlosen Weiten Texas' (USA) zu sein, als in einer schwäbischen Kleinstadt.

 

Auch fehlte es den Charakteren hin und wieder an Glaubwürdigkeit. Wenn die zwei Dorfpolizisten z.B. beschließen, die massenmordenen Serienkiller allein zu suchen, statt das SEK einzuschalten oder diese völlig unbemerkt in einem gestohlenen Polizeifahrzeug durch die Stadt kutschieren.

 

Aber…

 

Positive Aspekte

Wie der Autor selbst in seiner Danksagung schreibt: "Ich gebe zu, das Buch ist unrealistisch, schrullig und eigenartig. All das macht den Unterhaltungswert der Geschichte erst aus. Und was soll ein Buch am Ende des Tages schon bezwecken, außer für einen netten Zeitvertreib zu sorgen?", die Geschichte nimmt sich selbst nicht so ernst und unter diesem Aspekt habe ich mich durchaus unterhalten gefühlt. Schmunzelnd stolpert man mit den Protagonisten durch ihr verrücktes Abenteuer, während man mit Abscheu auf die Antagonisten blickt. Auch der gelegentliche Wechseln der Erzählperspektive fügte sich wunderbar in die Handlung mit ein und störte nicht.

 

Doch obgleich Leon, als Hauptprotagonist, sich während der Geschichte wunderbar charakterlich entwickelte, bleibt mein persönlicher Sympathieträger Otis, der mir mit seinen frechen Sprüchen und seiner lockeren Art doch das ein oder andere Schmunzeln entlockten konnte. Einzig mit Carina bin ich nicht wirklich warm geworden, da sie so gar keine Fehler zu haben schien und immer wusste, was zu tun oder zu sagen war. Aber gut, vielleicht gibt es ja doch manchmal Engel auf Erden. ;)

 

Fazit

Nach geschätzten sechs Stunden, aufgeteilt an zwei Nachmittagen, habe ich das Buch zur Seite gelegt und das abstruse Abenteuer der Figuren im Kopf Revue passieren lassen. Alles in allem ließ es sich wunderbar lesen und sowohl Autor, als auch Lektorin / Korrektorin verstehen ihr Handwerk. Bis auf die genannten Kleinigkeiten bin ich über keinerlei Fehler gestolpert. Und auch der Geschichte, so unglaubwürdig sie auch zwischenzeitlich erschien, konnte ich mühelos folgen. Wer nach einem verrückten und kurzweiligen Abenteuer sucht und sich nicht von dem Titel abschrecken lässt, weil dieser ja eine etwas andere Geschichte suggeriert, die letzten Endes doch nur den Rahmen bildet, der kann bedenkenlos zugreifen. Von mir gibt es für die Produktion, die Gestaltung und die Geschichte insgesamt 6 Sterne, die ich auf Grund der ironischen Selbst-erkennung des Autors gern mit einem weiteren Bonus-Stern versehe.

 

★★★★★★★☆☆☆

 

Dark Xperience am 05.04.2017

 

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